Übersetzen: Ein Abenteuer.

Die Übersetzerin, Über mich

Was tue ich eigentlich, wenn ich ein Buch „übersetze“? Platt ausgedrückt: ich arbeite mit Sprache. Genau, wie wir alle jeden Tag mit Sprache arbeiten, wenn wir das, was wir hören oder lesen, in uns aufnehmen und interpretieren. Jedes Wort, jeder Satz sendet Schwingungen aus, die wir aufnehmen und auf unsere Art verstehen. Genau das geschieht auch, wenn ich einen fremdsprachigen Text vor mir habe. Jeder englische Text sendet Schwingungen aus, die ich zunächst einmal aufnehme und auf meine Art verstehe. Als Übersetzerin aber gehe ich einen Schritt weiter, denn ich drücke das, was ich im fremdsprachigen Text verstanden habe, mit eigenen Worten aus, die im Idealfall ähnliche Schwingungen erzeugen wie der Originaltext. Das ist es, was wir Übersetzerinnen mit „Wirkungsäquivalenz“ meinen.

Wirkungsäquivalenz heißt, in der Übersetzung dieselben Schwingungen zu erzeugen wie das Original

Diese Arbeit ist mitunter mühselig, aber wenn sie dann endlich gelingt, immer beglückend. Im besten Fall beglückt ein Text mich sehr, rührt mich an, bringt mich zum Lachen oder zum Weinen. Dafür bin „meinen“ Autorinnen sehr dankbar.

Nun gelten Übersetzer ja gemeinhin als scheue Schreibtischtäterinnen, die im stillen Kämmerlein vor sich hinarbeiten.  Doch dieses Klischee wird uns eigentlich nicht gerecht, denn in Wahrheit sind viele Übersetzer richtig gut vernetzt und stehen regelmäßig in Kontakt miteinander. Dieser rege Austausch ist ein wichtiger Bestandteil unseres kreativen Schaffens, denn die Resonanz der Kolleginnen, die den deutschen Text mit viel Verstand, aber auch mit gesundem Abstand betrachten, ist wie das Salz in der Suppe und macht manche Übersetzung erst so richtig rund.

Auszug aus meiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Arbeitsstipendiums des Freistaats Bayern 2016